Karriere
Alemannia Aachen
Die beste zweite Liga der Welt
„Wenn du jemanden als Spielmacher holst, ihm den Zehner gibst und dann seine Position aus taktischen Gründen streichst, dann wird es wohl jeder Spieler in dieser Situation schwer haben. Egal, ob er Lasnik heißt oder Zidane.“
Andreas Lasnik
Wieder einmal stand Andreas Lasnik vor einer schweren Entscheidung. Wohin sollte er wechseln? An Angeboten mangelte es nicht und vor allem das belgische Spitzenteam Genk zeigte starkes Interesse an der Verpflichtung des Freistoßexperten. Auch ein lukratives Angebot aus Österreich flatterte herein. Am meisten reizte den Steirer aber ein Wechsel nach Deutschland. Da traf es sich natürlich sehr gut, dass der damalige Alemannia Aachen-Sportdirektor Jörg Schmadtke ein Auge auf ihn geworfen hatte und ihn am Ende der letzten Saison mehrmals beobachtet hatte.

Zweimal wurde Lasnik zum Lokalaugenschein zum deutschen Zweitliga-Klub nach Aachen eingeladen und der erste Eindruck war sehr positiv. „Der Klub war ambitioniert und wollte mich unbedingt verpflichten. Das ganze Paket hörte sich ganz einfach super an“, erinnert sich Lasnik. So setzte er seine Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag beim Klub in der 250.000-Einwohner-Stadt in Nordrhein-Westfalen. Präsentiert wurde er als neuer Spielmacher. Als Rückennummer erhielt er selbstverständlich die Zehn.

Es schien für den sympathischen Österreicher ein ähnlich guter Start zu werden wie bei seinen früheren Klubs. Da passte es auch gut ins Bild, dass er bei seinem Pflichtspiel-Debüt im DFB-Cup beim 4:1-Erfolg gegen den FC Wegberg-Beeck gleich einen schönen Treffer beisteuerte. Beim Zweitliga-Auftakt einige Tage später fand er sich zu seiner Überraschung dann auf der Ersatzbank wieder. Und mit ihr sollte er in seiner Zeit in Deutschland noch intensivere Bekanntschaft machen. „Die ersten sieben Heimspiele habe ich keine Minute gespielt, nur auswärts hat mich Trainer Seeberger, wenn wir im Rückstand lagen, eingetauscht, damit ich noch schnell das Spiel drehe.“

Viel bekamen die Aachen-Fans vom neuen „Beckham vom Tivoli“, wie er von der BILD-Zeitung getauft worden war, jedenfalls nicht zu sehen und nach einer gewissen Zeit fing auch der Österreicher an, ernsthaft an sich zu zweifeln. „Die ersten zwei Monate war ich schon etwas niedergeschlagen. Aber ich habe mich immer korrekt verhalten, im Training alles gegeben und hatte mir nichts vorzuwerfen. Es läuft im Leben aber eben nicht immer so wie man will. Das war eine wichtige neue Erfahrung für mich.“

Es wäre nicht Andreas Lasnik, wenn er nicht auch aus dieser Situation das Beste herausgeholt hätte. Denn die Mannschaft war intakt und er fühlte sich in seiner neuen Umgebung sehr wohl. „Ich hatte auch eine Freundin aus Aachen und mit ihrer Familie habe ich mich sehr gut verstanden. Dazu konnte ich mir einen Freundeskreis außerhalb des Fußballvereins aufbauen und das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen.“ Kein Wunder, dass er auch nach seiner Zeit bei der Alemannia immer noch gerne in Aachen vorbeischaut.

Es war Andreas Lasnik klar, dass er es unter Trainer Jürgen Seeberger nicht leicht haben würde, denn der setzte auf ein System ohne Spielmacher. Und das war die Position für die er geholt worden war. Noch dazu verließ mit Sportdirektor Schmadtke einer seiner Fürsprecher kurz nach seiner Ankunft den Verein. Was folgte waren immer sporadischer werdende Einsätze in der Kampfmannschaft. Lasnik gab im Training weiterhin Vollgas und hängte sich bei den Amateuren in der NRW-Liga voll hinein. Und plötzlich schien sich das Blatt wieder zu wenden, denn im September 2009 wurde Aachen-Trainer Seeberger beurlaubt und alles deutete auf Lasniks Zweitliga-Comeback hin.

Wenige Tage nach der Trainer-Entlassung stand für Andreas Lasnik ein Spiel für die Amateure auf dem Programm. Sein Auftritt gegen Schwarz-Weiß Essen dauerte exakt zwölf Minuten lang. Dann musste er ins Krankenhaus abtransportiert werden. Diagnose: Kreuzbandriss. Die Folge: Monatelange Pause und Reha beim DFB-Physiotherapeut Klaus Eder in Regensburg. „Es passierte natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt, aber die neue Aachen-Führung mit Trainer Michael Krüger und Geschäftsführer Erik Meijer erkundigte sich kontinuierlich nach meinen Genesungsfortschritten und das gab mir wieder Selbstvertrauen.“

So kam es, dass Andreas Lasnik am Ende der Saison 2009/10 doch wieder für Alemannia Aachen auflief. Die folgenden vier Einsätze sollten seine Abschiedsvorstellung von der besten zweiten Liga der Welt sein. Aber sie reichten aus, um die Scouts seines nächsten Arbeitgebers auf der Tribüne zu überzeugen.