Karriere
Austria Wien
Der „Shooting Star“
„Ich habe in meiner Karriere noch keinen besseren Linksfuß kennengelernt, der bei Freistößen und Cornern so gefährlich ist wie Andi. Er hat durch seine tolle Technik auch das notwendige Selbstvertrauen, das man als Profi braucht, um erfolgreich zu sein.“
Johnny Ertl, Teamkollege von Andreas Lasnik bei Austria Wien
Bereits als Zehnjähriger war Andreas Lasnik für die „Wiener Veilchen“ als Gastspieler auf Torjagd gegangen. Diese Tage waren nun aber endgültig vorbei und am 10.06.2005 stellte der regierende Cup-Sieger Austria Wien den 21-Jährigen als erste Neuverpflichtung für die kommende Saison vor. Der Transfer stellte für den Steirer eine große Auszeichnung dar, schließlich war das Team der Wiener zu dieser Zeit mit Nationalteamspielern gespickt und in der Vorsaison war man im UEFA-Cup erst im Viertelfinale hauchdünn an Parma gescheitert.

Der Konkurrenzkampf war von Anfang an groß. Namhafte Spieler wie Jocelyn Blanchard, Vladimir Janocko, Arkadiusz Radomski, Stepan Vachousek, Sebastian Mila oder Nastja Ceh meldeten Anspruch auf einen Stammplatz im Mittelfeld an. Trotzdem setzte das Trainer-Duo Frenkie Schinkels/Peter Stöger von Anfang an auf den Blondschopf und ließ ihn immer wieder auflaufen. Und er zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen durch starke Auftritte zurück. Die Highlights im Herbst? In der UEFA-Cup-Qualifikation glückte Lasnik beim 2:1-Heimsieg gegen Viking Stavanger ein Volley-Tor aus 40 Metern, die erste Einberufung in die österreichische Nationalmannschaft folgte.

Nach starken Performances musste er sich im Frühjahr 2006 wieder mit weniger Einsatzzeiten zufrieden geben. Eine Entwicklung, die er sportlich nahm. „Bei der hohen Qualität innerhalb der Mannschaft war es für jeden Spieler schwer, einen Stammplatz zu halten. Im 25-Mann-Kader waren 18 Spieler, die bei jedem anderen Klub in Österreich diskussionslos ihren Fixplatz gehabt hätten.“ Seiner neu entflammten Liebe zu Wien tat die schöpferische Pause jedenfalls keinen Abbruch. „Wien ist eine Weltstadt. Die Lebensqualität ist top und die Austria ist ein super-organisierter Klub, der auch in Europa noch immer ein Begriff ist.“

Sein Trainer Frenkie Schinkels war mit der Entwicklung des Blondschopfs jedenfalls sehr zufrieden. „Andi war ein Spieler mit Zukunftsperspektive, der sich rasch ins Starensemble der Austria eingefügt hat. Er hat auch menschlich sehr gut ins Team gepasst.“ Das bestätigten auch seine Mitspieler. „Ich habe Andreas als Spieler kennengelernt, der am Platz immer hundert Prozent gibt, der durch sein selbstbewußtes Auftreten sehr präsent ist und der auch sehr viel mit seinen Mitspielern kommuniziert. Er ist technisch sehr stark, verliert kaum einen Ball und will immer gewinnen“, meint etwa Delano Hill im Rückblick.    

Die Trainer hatten sich schon etwas dabei gedacht, als sie den jungen Lasnik bremsten. Er sollte nicht verheizt werden und andererseits nicht zu schnell abheben. „Denn in Österreich tendieren Medien dazu, junge Spieler sehr schnell in den Himmel zu loben“, weiß Schinkels. Für Lasnik war seine Nichtberücksichtigung jedenfalls eine zusätzliche Motivation. Das sah man vor allem in der darauffolgenden Saison. Da zählte er beim Double-Sieger nämlich von Anfang an zur ersten Elf und zeigte durch viele Assists und Tore auf.

Sein Auftritt im ÖFB-Cup-Finale am 1. Mai 2007 war jedenfalls etwas für die Geschichtsbücher: Nachdem Finalgegner Mattersburg im Hanappi-Stadion mit 1:0 in Führung ging, bewies Andreas Lasnik wieder einmal, dass man sich vor allem in großen Spielen auf ihn verlassen konnte. Zuerst bereitete er mit einem Eckball den Ausgleichstreffer von David Lafata mustergültig vor und nur zwei Minuten später sorgte er mit dem Treffer zum 2:1 für die endgültige Entscheidung. „Das sind die Spiele, für die jeder Fußballspieler lebt“, erinnert sich der Mittelfeldspieler gerne an seinen Cup-Triumph mit der Zellhofer-Elf zurück.

Ein Jahr später standen die Zeichen auf Abschied. Der Vertrag lief aus und Lasnik fühlte sich bereit, sein nächstes Karriereziel zu verwirklichen. „Ich bin mit der Austria Meister geworden, habe zwei Mal den österreichischen Cup gewonnen, habe im Europacup gegen tolle Teams wie Benfica Lissabon oder Ajax Amsterdam gespielt. Es war eine tolle Zeit, aber ich hatte das Gefühl, dass ich in Österreich nicht mehr viel erreichen konnte. Das Ausland war der logische Schritt.“