Karriere
Österreich
Im „Theatre of Dreams“
"Andere geben ihr Länderspieldebüt gegen Moldawien oder Lettland. Da war Old Trafford schon eine ganz andere Kategorie."
Andreas Lasnik
Im Jahr 2005 überschlugen sich die Ereignisse für den jungen Andreas Lasnik im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst schoss er die Rieder in die Bundesliga, es folgte sein sensationeller Wechsel zum FK Austria Wien und dann spielte er dort auch noch sofort eine tragende Rolle. Konnte es dazu überhaupt noch eine Steigerung geben?

Natürlich gab es die. Am 30. Oktober 2005 wurde Willi Ruttensteiner zusammen mit Andreas Herzog und Slavko Kovacic interimistisch mit der Betreuung des österreichischen Nationalteams betraut und als eine ihrer ersten Amtshandlungen beriefen sie den damals 21-jährigen Andreas Lasnik für die kommenden WM-Qualifikationsspiele gegen England und Nordirland in den Kader ein. "Der Tag, an dem der Anruf vom ÖFB kam, war einer der schönsten Momente in meinem Leben", gesteht Lasnik, der davor schon etliche Male in Nachwuchs-Nationalteams sein Können unter Beweis hatte stellen dürfen.

Willi Ruttensteiner, der Lasnik schon beim Unter 21-Team des ÖFB, betreut hatte, erinnert sich noch gerne an diese Zeit zurück. "Er ist ein irrsinnig sympathischer Bursche und ich habe immer, sowohl im ÖFB-Nachwuchs als auch beim A-Team, gerne mit ihm zusammengearbeitet. Es gibt im Fußball Mitläufer und Typen und Andi Lasnik gehört ganz klar zu den Typen, denn er wußte immer schon genau, was er wollte."

So kam es, dass Lasnik im Flieger nach England saß. An der Seite von arrivierten Spielern wie Martin Stranzl, Paul Scharner und Markus Weissenberger wärmte er sich am Abend des 8.Oktobers im Stadion von "Old Trafford", der legendären Heimstätte von Manchester United, auf. Auf der anderen Spielfeldseite machten sich keine Geringeren als die Stars der "Three Lions" Frank Lampard, Steven Gerrard, Michael Owen und natürlich David Beckham. Der Spieler, mit dem er in der Vergangenheit so oft verglichen worden war.

"Ich hatte eine Gänsehaut als ich auf der Bank Platz nahm. 65.000 Zuschauer wollten England siegen sehen und wir wollten natürlich so gut wie möglich Paroli bieten." Sein großer Auftritt kam in der 80. Minute als ihn Ruttensteiner in den Kampf schickte. Zu spät für ein Duell mit Beckham, denn der englische Superstar hatte schon in der 59. Minute die gelb-rote Karte gesehen. Der für Lasnik ausgewechselte Andreas Ibertsberger verfolgte den Auftritt des Debütanten von der Seitenlinie aus und stellte dem Steirer ein gutes Zeugnis aus. "Er hat gleich gut in die Partie hineingefunden, hat sich nicht versteckt und die meisten Angriffe, die wir im Finish hatten, liefen auch über seine Seite."

Das Spiel ging für die Österreicher knapp mit 0:1 verloren, die Erfahrung konnte dem jungen Lasnik aber keiner mehr nehmen.