Karriere
Ried
Die Reifeprüfung
„Die Rieder sind immer für einen starken Zusammenhalt gestanden und ich habe immer versucht, ihnen dafür mit starken Leistungen zu danken. Ich denke, das ist mir am Ende auch gelungen.“ Andreas Lasnik
Wer würde das Rennen um das siebzehnjährige Offensivtalent machen? Mehrere Klubs aus der Bundesliga zeigten Interesse, beim SV Ried hatte Lasnik von Anfang an ein gutes Gefühl. Zusammen mit Bruder Martin fuhr er zum Probetraining ins Innviertel und Ried-Trainer Alfred Tatar ließ gleich beide mittrainieren. So wäre es beinahe dazu gekommen, dass beide Brüder bei den „Wikingern“ landeten.

„Martin war wirklich eine Überlegung, aber da wir schon ähnliche Spielertypen in seinem Alter im Kader hatten, entschieden wir uns dazu, ein oberösterreichisches Talent zu fördern“, erinnert sich Tatar, der über seinen Co-Trainer Gerhard Schweitzer auf Andreas aufmerksam wurde. Er erinnert sich noch gut an die ersten Profischritte des Weststeirers: „Er war unbekümmert und man hat sofort gesehen, welch großes Potential in ihm steckt. Aber er musste noch lernen, dass zum Profifußball noch andere Sachen dazugehören als bloß Fußballspielen. Es kommt zum Beispiel auch auf taktische Disziplin an. Das ist ein Lernprozess, den alle jungen Spieler in dieser Phase durchmachen müssen.“

Die Entscheidung für die Oberösterreicher fiel Andreas Lasnik nicht schwer, schließlich war der Klub für die Förderung junger Spieler bekannt und auch Bundesliga-Spieler Gerry Strafner, der nicht weit von Andreas aufgewachsen war und die Rieder zum Cup-Sieg und Erfolgen im Europacup geführt hatte, riet ihm zum Wechsel ins Innviertel. So ließ Andreas Lasnik seine Heimat und die Familie erstmals hinter sich und heuerte beim Team von Alfred Tatar an. „Für mich war es einfach der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Ich war sofort im 18-Mann-Kader und habe nach drei Spielen gegen Austria Wien mein Debüt gegeben.“

Die familiäre Atmosphäre bei seinem neuen Klub erleichterte dem Teenager den Abschied von daheim. „Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war einzigartig und das ist auch ein Aspekt, der die Rieder ausmacht. Egal, ob mit Andreas Wieland, Zjelko Radovic, Jürgen Kauz oder den Arrivierten wie Drechsel, Glasner oder Angerschmid, ich habe mich mit allen von Anfang an gut verstanden. Natürlich war es ein großer Schritt, sportlich, als auch privat. Aber es war auch das, was ich mir immer gewünscht hatte und so hat das Positive klar überwogen.“

Nach einem ganz schwachen Frühjahr stieg der Klub am letzten Spieltag der Saison 2002/03 in die zweite Liga ab. Etwas, was dem Steirer heute noch sehr schmerzt. „Im vorletzten Meisterschaftsspiel habe ich beim 0:2 in Bregenz ein Gegentor mitverschuldet, worauf mich der Trainer in der letzten Runde aus dem Kader gestrichen hat.“ Aber im Leben gleicht sich bekanntlich alles aus. Zwei Jahre später sollte Lasnik nämlich der vielumjubelte Held im grünen Trikot sein. Sein Treffer zum 3:2-Sieg gegen Gratkorn fixierte am 24. Mai 2005 nämlich eine Runde vor Saisonschluss den Wiederaufstieg der Rieder in die Bundesliga.

Sportlich waren Lasniks Rieder Jahre also mehr als abwechslungsreich. Mit Alfred Tatar, Gerhard Schweitzer, Klaus Roitinger, Petar Segrt, Andrzej Lesiak und Heinz Hochhauser erlebte er in seinen zweieinhalb Jahren sechs verschiedene Trainer, wobei ihn vor allem Letzterer am meisten prägte. „Hochhauser hat gewusst, wie man das Potential aus den Spielern herauskitzelt und man hat auch mit Problemen immer zu ihm kommen können.“

Heinz Hochhauser erinnert sich auch heute noch gut an die Zeit zurück, in der er Lasnik unter seinen Fittichen hatte. „Andi war ein Spieler, der technisch sehr begabt war. Aber er hat als Junger geglaubt, dass es reicht, wenn man im Spiel gute Freistöße schießt und gute Flanken schlägt. Er hat weiter hart an sich gearbeitet und sich sehr positiv entwickelt. Dass er Ried in die Bundesliga geschossen hat, habe ich natürlich auch nicht vergessen.“

Dieser Treffer war aber bei Weitem nicht alles, was er zur Rückkehr in die oberste Liga beigetragen hatte. Insgesamt hatte der damals 21-Jährige zehn Tore und zwanzig Assists auf dem Konto, was ihm auch die Auszeichnung „Young Star“ der zweiten Liga einbrachte. „Es war ein guter Zeitpunkt für den nächsten Karriereschritt. Der GAK war im Gespräch, aber ich wollte für einen Großklub spielen.“