Karriere
Willem II Tilburg
Der fliegende Holländer
"Ich war heilfroh, als ich nach Tilburg kam und Andreas Lasnik im Kader hatte. Ich wusste sofort, dass ich unser Spiel auf ihn aufbauen kann." Gert Heerkes, Ex-Trainer von Willem II Tilburg
Es heißt, dass im Leben alles irgendwann zurückkommt. So war es auch bei Andreas Lasnik. Sein Aachen-Engagement hatte er abgehakt, er wollte sich nach seiner schweren Verletzung wieder nach vorne orientieren. Und ausgerechnet ein alter Freund aus Austria Wien-Zeiten sollte ihm dabei unter die Arme greifen.

"Delano Hill meldete sich bei mir und fragte, ob ich mir vorstellen kann, in Holland zu spielen", erzählt Andreas Lasnik. Und wer sich daran erinnert, dass Lasnik als kleines Kind stundenlang die Technik-Tricks von Ajax Amsterdam studiert hatte, kann sich selbst ausmalen, wie seine Antwort lautete. So absolvierte Lasnik ein paar Probetrainings. Sein neuer Klub Willem II Tilburg war nicht darunter. Sie hatten schon genug von ihm bei den Beobachtungen in Deutschland gesehen.

"Es war ein Glücksfall. Schließlich war ich fast die ganze Saison davor verletzt gewesen und hatte in der zweiten deutschen Liga kaum gespielt. Dass dich dann ein Erstligist aus Holland gleich ohne Probetraining verpflichten will, ist schon etwas Besonderes", freute sich der Steirer. Und beim Klub, der in der Saison 2001/02 sogar noch in der Champions League spielte und früher bekannte Namen wie Jaap Stam, Sami Hyypiä oder Marc Overmars im Kader hatte, bekam er von Anfang an das Vertrauen geschenkt, das er in Aachen so schmerzlich vermisst hatte.

Beim Trainer hatte er von Beginn an ein gutes Standing, schließlich hätte ihn Gert Heekens schon gerne bei seinem früheren Klub Heracles Almelo gesehen. So kamen der Spielmacher und der Coach doch noch dazu, miteinander zu arbeiten. Der Plan sah folgendermaßen aus: Der Österreicher hatte als Spielmacher alle Freiheiten und sollte dafür Sturm-Tank Frank Demouge mit Vorlagen füttern. Was so vielversprechend begann, sollte aber nicht von langer Dauer sein, denn am letzten Tag der Transferzeit machte Utrecht den Tilburgern einen Strich durch die Rechnung und verpflichtete Demouge.

Für den damaligen Willem II-Trainer Heerkes war es ein Schlag ins Gesicht, denn der Stürmer war in der Vorsaison die Lebensversicherung der Mannschaft gewesen. Nach den fetten Jahren im Europacup war der Verein nämlich nun zum Sparen gezwungen und hatte radikal verjüngt. Ohne Goalgetter würde der Kampf um den Klassenerhalt in der Ehrendivision noch schwerer werden.

Trotzdem versuchte Heerkes das Beste aus seiner jungen Truppe herauszuholen. Ganz nach der holländischen Schule. "In Österreich oder Deutschland versuchen die Trainer oft, dir deine Schwächen aufzuzeigen. Sie sagen dir nicht, dass du technisch gut bist, eine super Schusstechnik hast oder gute Standards schießt. Dafür erzählen sie dir, dass dein Kopfballspiel schwach ist und dass du an deinem Defensivverhalten arbeiten musst. In Holland setzten sie hingegen voll auf deine Stärken, weil sie wissen, dass es in einer Mannschaft immer Spieler gibt, die mit ihren Vorzügen die Schwächen anderer Spieler ausgleichen", so Andreas Lasnik.

Er weiß inzwischen ganz genau wo seine eigenen Stärken und Schwächen liegen. "Es ist kein Geheimnis, dass es defensiv stärkere Spieler gibt als mich. Dafür spiele ich auf einer Position, bei der ich mich vor allem auf die Offensive konzentrieren kann. Dadurch kann ich Spiele entscheiden und das wird von der Mannschaft, vom Verein und den Fans akzeptiert. Und ich zahle es dem Verein auch so gut wie möglich zurück."

Lasnik ist in der Ehrendivision sehr schnell angekommen. Auch wenn die Ergebnisse von Willem II Tilburg von Anfang an zu wünschen übrig ließen, ist seine Bilanz hervorragend. Er war sofort unumstrittener Stammspieler, Publikumsliebling und für alle Standardsituationen zuständig. Was folgte waren Tore und etliche Assists. "Langsam nähere ich mich wieder der Form, die ich in meiner stärksten Zeit bei der Austria hatte, aber es ist sicher noch Luft nach oben."

Sein Trainer streute ihm jedenfalls Rosen. "Wenn Andreas seinen Weg weiterhin so konsequent verfolgt, hat er das Zeug, einer der besten Zehner in der holländischen Liga zu werden", ist Gert Heerkes überzeugt, der im Saisonfinish von seinem Assistenten John Feskens abgelöst wurde. Auch unter ihm spielte Lasnik eine tragende Rolle in der Mannschaft.

Manchmal passen Dinge einfach zusammen. Die holländische Ehrendivision und Andreas Lasnik scheinen eine solche Kombination zu sein. "Fußball geht hier über alles und die Stadien sind immer voll. Die Fans stehen zur Mannschaft, egal, ob du Erfolg hast oder nicht. Natürlich sind sie auch manchmal unzufrieden und pfeifen. Aber sie kommen trotzdem." Und einer der wichtigsten Punkte, weshalb er sich gut vorstellen kann, noch eine lange Zeit in den Niederlanden zu bleiben: "Du wirst als Fußballer einfach akzeptiert."